Lédenon November 2000


Eine Bilderkurzgeschichte zum Drumherum.

Der Bericht eines Novizen (JOH)

Der Bericht eines Fast-Profis (Lothar)

Der Bericht eines Außenseiters (Martin)

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Die Bilderkurzgeschichte zum Drumherum.

Bilder sind klickbar.

Lédenon, zwischen Nîmes und Avignon, im Spätherbst, fast schon im Winter. Nach ziemlich weiter Anfahrt (1502km) war Peter der erste am Ort und stand ratlos im steifen Wind, weil sich noch gar nichts tat. Warum eigentlich? Rehm Racing hat den Circuit von Lédenon für 3 Tage gemietet, damit wir im Kreis fahren können. Auf der Piste zogen derweil noch Lotus Seven pb160003.jpg ihre Runden, während die Abendsonne die letzten unübersichtichen Streckenabschnitte pb160005.jpg beleuchtete. Einsam, aber kitschig illuminiert stand im Fahrerlager der Kawasakibus pb160006.jpg. Nach Einbruch der Dunkelheit parkte immerhin schon ein pb160013.jpg (mein) Mopped in der Box. Irgendwann kamen JOH und Martin mit X1, 250er Aprilia und Ulis Ersatz-Buell, einer Ducati. Unten im Dorf gab es nur eine fahrbare Pizzeria, im nächsten Dorf ein wunderschönes Restaurant pb160015.jpg - leider mit geschlossener Küche. In Remoulins endlich wurden wir fündig, speisten gut, JOH pb160016.jpg war noch glücklich, als sich Lothar und Lucky meldeten. Nach ein paar Getränken beim zweiten Verlassen des Restaurants pb160017.jpg fehlte Luckys Auto komplett und die Nummernschilder am Bus. Scheiße! Nicht nur die Schlafstelle für die Nacht, auch ein Teil des Equipments waren weg. Ein muffiges Hotel wurde nach einigen Irrwegen aufgetrieben, denn ohne Schlafsack wären die beiden erfroren.

Neuer Tag - endlich fahren! Skeptischer Blick pb170022.jpg nach draußen - das Wetter ist OK. Kalt und windig, aber mit Sonne. Der Platz vor der Box pb170023.jpg füllt sich mit Buells und 'Gästemoppeds'. Alles, was nicht benötigt wird und teuer ist, wird mit prüfendem Blick pb170024.jpg abgeschraubt. Lucky hat vor Abfahrt dieses gigantische Heck pb170025.jpg angeschraubt. Vor und in den anderen Boxen wurde ebenfalls eifrig geschraubt. Nebenan wurden fast pausenlos Databoxen ausgelesen und 3 Boxen weiter stand die legendäre Atomo (mit Carbonbremsscheibe) pb170026.jpg und der nicht einfach erklärbaren Vorderradführung. pb170029.jpg Sehr schön symmetrisch liegen die Federbeine (links für vorne, rechts für hinten) unterm Tank. Nach einem weiteren Besuch bei der Bullerei (die Autoknacker hatten einige Sachen aus dem Auto geworfen), den ersten Sitzproben pb170031.jpg pb170042.jpg auf Buell, Wechsel pb170037.jpg pb170044.jpg auf von Lucky pb180084.jpg mitgebrachte Reifen und diverser pb170040.jpg Verbesserungen und pb170041.jpg Umbauereien (Apriliafahrer pb170043.jpg nickern lieber) ging es auf die Piste. Uli pb170050.jpg zuerst zurückhaltend und im Straßentrimm, Lucky hingegen pb170054.jpg pb170055.jpg pb170058.jpg von Anfang an heftig. Beim 2-Stunden-Rennen pb170064.jpg mussten Moppeds, Fahrer und der nur einmal vorhandene Transponder pb170061.jpg getauscht werden. JOH montierte endlich eine vernünftige Übersetzung pb170071.jpg. Die Sonne pb170072.jpg verwöhnte pb180078.jpg uns. Reifen pb180077.jpg wurden nicht verwöhnt. Ulis harte Landung erforderte eine Öffnung pb180082.jpg des Getriebes. In den Mittagspausen konnte man aus der Cafeteria (welch mieser Fraß!) Blicke auf die kleine Buell-Herde pb180085.jpg werfen. Dann wieder fahren:

pb180089.jpg pb180090.jpg pb180093.jpg pb180094.jpg pb180097.jpg

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Luckys Schleifer saßen nicht richtig. Warme Kniescheiben pb180109.jpg meldeten diesen Umstand. Ulis Kombilöcher wurden mit Tape geflickt. pb180110.jpg Die Strecke hat es in sich für Anfänger: Uneinsehbare zuziehende Kurven, Steigungen, Gefälle und Bergkuppen, hinter denen man nichts als den Himmel sieht, das ganze links herum und auf rauhem Asphalt. Ein Blick von oben. Samstag abend durfte freihändig gefahren werden, was zur Dokumentation strecke.jpg dessen genutzt wurde, was die Neulinge meinereine.jpg auf den ersten Runden ertragen mussten.

pb180112.jpg pb180114.jpg pb180115.jpg

Wir (pb190003.jpg, pb190005.jpg, pb190006.jpg, pb190008.jpg, pb190010.jpg und pb190011.jpg) hätten nicht gedacht, dass jemals ein Pokal pb190076.jpg den Weg in unsere am letzten Tag reichlich klamme Box pb190142.jpg finden würde. Das Boxentor geschlossen, der Heizlüfter lief volle Möhre, die Kaffemaschine surgelte pb190143.jpg und draußen liefen die Rennen im Regen. JOH und ich hielten uns da raus, Martin pb190145.jpg und Lucky versuchten es. Der Rest sorgte für unseren Favoriten pb190015.jpg. Das unfassbare geschah: Trotz bravourösem Sturz pb190016.jpg in der Aufwärmrunde trat Lucky in zwei Rennen an und beendete beide mit dem dritten Platz. Er fuhr Ducatis, R6 und R1 in Grund und Boden. Genau genommen waren es sogar einmal der dritte, einmal der zweite und einmal der erste Platz (das zweite Rennen ging über drei Klassen).

pb190018.jpg pb190021.jpg pb190040.jpg pb190044.jpg pb190046.jpg

Am Rande sollte erwähnt werden, dass Lucky nicht auf Buell, sondern auf einer erzbergerprobten abgewarzten Husaberg mit Regenreifen startete. Weiteres Handicap: Eine die Aerodymanik ungünstig beeinflussende zerfetzte Regenkombi pb190074.jpg. Die Dame auf dem Siegertreppchen pb190080.jpg kam übrigens lange nach Lucky ins Ziel und hielt Platz 1 in der Damenwertung, in der Lucky aus biologischen Gründen keine Chance hatte. Die Jungs von Scottoiler (Danke, Martin Dunn!) schleppten den zugfahrzeuglosen Hänger pb200087.jpg durch den Regen nach D-Land. Erstes Salz auf den Autobahnen nagte am Sprocket pb200091.jpg. Der deutsche Winter hat uns wieder.

- Peter


Der Bericht eines Novizen (JOH)

LEDENON WAR GEIL!!!

Ich bin wieder da, ich lebe noch, alle Knochen sind heil und die Buell hat keine einzige Schramme! Es war mein erstes Mal auf der Strecke und hier kommt mein Bericht. Holt euch ein Schlückchen Motoröl und ein paar Bremsbeläge zum Knabbern - es könnte ein bißchen Dauern:

Nach 10 1/2 Stunden Autobahn kommen wir in Ledeon an. Eine Aprillia im Bus, dahinter gondeln meine X1 und die 900 Duc von Uli auf dem Hänger. Peter Grabo hat schon eine Box für uns bezogen und wir machen es uns gemütlich.

Der erste Tag: Freies Fahren auf der Strecke. Ich zwänge mich in meine Kombi und fahre mit der Buell noch im Straßentrimm (ohne Lampe und Kellermänner) ein paar vorsichtige Runden. Links und rechts zischt alles an mir vobei, was zwei Räder hat. Ich warte nur darauf, daß sogar ein Roller dabei ist. Gut, daß ich meine alte Japan-Kombi anhabe - die ist so bunt, daß man mich schon aus Kilometern sieht. Einige Fahrer scheinen mich allerdings nur mit geschlossenen Augen ertragen zu können oder werden schlagartig blind: Das Kiesbett in der Panzerkurve füllt sich langsam mit Maschinen und Fahrern die alle erst lernen müssen, daß die fiese Links direkt hinter einer Kuppe auftaucht und böse zumacht. Ich fahrer weiter schön gemütlich - meinen Ehrgeizg habe ich vorsichthalber in einer verschweißten Gefriertüte zu Hause gelassen. Ist ja nicht schlimm, wenn man mit Abstand der langsamste ist. Es nervt nur ein bißchen, daß in den Kurven die Streckenposten immer ein paar Meter mitlaufen und ein Schwätzchen mit mir halten wollen.

Alles in allem fühle ich mich noch extrem unsicher - besonders, weil mir auf beiden Seiten dauernd Eisen um die Ohren fliegt und ich ständig Angst habe, einem Schnelleren in die Linie zu fahren.

12 Uhr, Instruktorenfahrt mit dem dreifachen österreichischen Staatsmeister Gerhard Esterer. Nach der ersten Runde wird es meinem Hintermann zu bunt (und das nicht nur wegen meiner Kombi). Er ist der Meinung, daß ich zu langsam bin (womit er Recht hat) und das seine Reifen warm sind (womit er nicht recht hat). Ausgerechnet in der ersten leichten Rechts zieht er an mir vorbei. Eine Stelle, an der noch einige abfliegen, die nicht daran denken, daß auf einen Linkskurs die rechte Reifenflanke ein bißchen länger braucht. Fazit: Mein Hintermann schießt an mir vorbei, bremst dann leicht an, fällt zurück in die 70er Jahre und legt einen flotten Discofox auf die Strecke. Dann geht er nahtlos in die 80er über, wechselt zum Break-Dance, wirft sich samt Maschine auf den Boden und dreht ein paar schnelle Pirouetten. Eine Runde später grinse ich immer noch. Allerdings nur, bis es mich beim Anbremsen auf die Panzerkurve selbst erwischt: Zu viel Druck auf der Hinterbremse, das Heck bricht aus - ich kann nur noch alle Bremsen lösen, die Kiste stabilisieren und aufrecht ins Kiesbett jagen. Zwei Dinge lerne ich: 1. Vergiß die Hinterbremse! 2. Wenn du ins Kiesbett fährst, dann fahr auch direkt wieder raus! Ich bleibe erst mal stehen, und muß mich dann mühsam wie ein Schaufelbagger wieder rauswühlen. Hinter mir bleibt ein tiefer Graben, den man mit Wasser füllen und Karpfen darin züchten könnte.

Mein Bedarf für den Tag ist dann endgültig gedeckt, als ich in der Kompression der letzten Linkskurve vor der Zielgeraden zweimal mächtig mit der HSA-Schelle aufsetze. Wenn es wenigstens die Rasten wären... aber die bleiben jungfräulich. Den Rest des Tages verbringe ich mit ABM-Schrauben: HSA runter, HSA-Race drauf (Danke, Udo!!!) Pulley von 51 auf 61 wechseln. Außerdem baue ich noch Tankabschlüsse und die Tankabdeckung runter - wieder für 1000 Mark Sturzteile weniger. Sicher ist sicher...

Etwas gefrustet geht es nach nur 30 Kilometern auf der Rennstrecke abends ins Bett.

Der zweite Tag: Strahlender Sonnenschein, meine Laune steigt mit den Temperaturen. Punkt neun Uhr wieder Instruktorenfahren. Und es läuft irgendwie sofort besser. Ich weiß jetzt ungefähr, was mich nach den Kuppen erwartet, wie die Kurven sitzen - noch sind die schnellen Jungs nicht auf der Strecke und ich kann meine Linie finden. Dazu das brachiale Brummen des HSA-Race, der sich vom Boden fernhält wie eine Nonne vom Kiffen. Geiles Teil! Auf der Zielgeraden bin ich zwar mit ca. 180 gut 60 KM langsamer als die Durchschnitts-Racer - aber ich klinge besser. Lothar fährt auch den HSA-Race und es ist schon eine Wucht, wenn er über eine Kuppe auf die Gerade gemüllert kommt und die Boxenmauer leicht vibriert.

Langsam beginnt es, Spaß zu machen. Ich werde schneller, sicherer und bekomme langsam ein Auge für die fixen Junge von hinten. In den Kurvenausgängen ein Blick durch die Achsel und ich weiß, ob was von hinten kommt. Dann sauber auf der Ideallinie bleiben und ich bin berechenbar. Das freut die Überholenden und ich kann mich mehr auf mich konzentrieren und eine runde Linie fahren. Der Tag wird richtig gut, als ich merke, daß ich in den brutalen Linkskurven sogar auf den D 207 mit Jungs mithalten kann, die mir pro Runde 20 Sekunden abnehmen. Lothar und Lucky schaffen es in den Kuven sogar, sich auf Slicks an die Top-Racer leicht ranzusaugen. Die Buell ist schon ein geiles Kurventier.

Ich gehe langsam tiefer runter, schlage mir einmal sogar das linke Knie leicht an einem Curbe an, als ich mit zu wenig Speed und zuviel Schräglage zu weit nach innen komme. Und plötzlich ist sogar mein Ehrgeiz wieder an Bord: Er hat sich aus der Gefriertüte befreit, ist nach Ledenon getrampt und springt mich an, als ich zum ersten Mal das Karussel in einem schnellen und perfekten Bogen schaffe. Jetzt beginne ich sogar, zwischen den Kurven mal Gas zu geben und härter anzubremsen. Mein Vertrauen in die Vorderbremse wächst - super zu Dosieren, brachial im Biß.

Dann der Ritterschlag: Ein heftiges Schaben in der letzten Links. Das ganze in der nächsten Runde wieder. Ich bin stolz wie Oskar und berufe in der Box sofort eine Pressekonferenz ein. Dann stellt sich leider raus: Es war nicht die Raste, sondern nur der Seitenständer. Geknickt verkürze ich das Anschlaggummi und fahre weiter. Bis zum Ende des Tages komme ich mit nix mehr auf den Boden. Und das bleibt auch so. Ich tröste mich damit, daß ich keine Slicks aufgezogen habe. Das habe ich mir, genau wie den angebotenen Transponder, für das nächste Renntraining aufgespart. Diesmal will ich noch gar nicht wissen, wie schnell ich bin.

Martin (mein Kumpel auf der 250 Aprilia) läßt es sich aber nicht nehmen, hinter mir herzufahren und mich mit seinem Bordcomputer zu stoppen: 2.08 Minuten - damit 20 Sekunden langsamer als Lothar und Lucky und mit 2 Sekunden Abstand der langsamste Fahrer im Feld. Martin, du bist ein echter Freund!!! Im Laufe des Samstages knappse ich mich aber um rund 5 Sekunden runter, bin nur noch der Vorletze und schaffe es, um 3 Sekündchen an Peter Grabo dran zu bleiben, der mit dem Verkehr ähnliche Probleme hat wie ich.

Als dann sogar der Strecken-Fotograf, der mich bisher wohl für so was wie ein Kehrfahrzeug gehalten hat, Bilder von mir macht, ist der Tag endgültig gerettet.

Der dritte Tag: Es regnet. Ich baue die Buell wieder auf Straße um und beginne, die Prospekte von Rehm-Race zu wälzen. Wann kann ich wieder auf die Strecke? Wo ist das nächste Training? Ich bin heiß und freue mich jetzt schon wie blöd auf das nächste Jahr.

Mein Fazit: Ich habe unglaublich viel gelernt. Über meine Maschine (die ein Traum ist) über Kurven-Technik und das richtige Bremsen. Ich habe Fehler gemacht, die mich auf der Straße teuer zu stehen gekommen wären und konnte daraus ohne Verletzungen oder Materialschaden lernen. Ich bin viel sicherer geworden, habe mir jede Menge Sicherheitsreserven zugelegt - und ich bin infiziert. Jetzt nicht mehr nur vom Buell-Virus, sondern auch vom Bazillus Rennstrecken. Es ist ein solcher Genuß, über einen abgesperrten Kurs zu hämmern, auf dem man keinen Gedanken an Straßenbeschaffenheit und Gegenverkehr verschwenden muß. Daß man relativ gefahrlos seine Leistungsgrenzen antasten und verschieben kann - und im schlimmsten Fall im Kies landet und nicht an einem Baum.

Jungs, ich bin beim nächsten Mal wieder dabei! Danke an Lothar, Lucky und Peter, die mich so gut unter die Fittiche genommen haben. Beim nächsten Mal wird es ernst. Dann wird mitgefahren...

JOH


Der Bericht eines Fast-Profis (Lothar)

Hi Gemeinde,

was soll ich da noch nachtragen - es ist schon fast alles gesagt worden: Interessante Beiträge, tolle Foto's, ne bessere Dokumentation hat es wohl noch nie im BORG gegeben.

Was ich besonders hervorheben möchte war der geniale Zusammmenhalt und die tolle Stimmung in unserer Truppe!

Alle hatten Spaß - JOH & Martin sind spätestens jetzt heftigst infiziert, Uli war es schon, sogar unser Streetsurfer Peter hatte seinen Fun und bei Lucky war eh schon alles verloren ;-)

Was heißt das für DICH - komm mit!!! Wesentlich intensiver kann man kaum Buellen. Nächstes Jahr geht es wieder los - Rijeka, Pannonia, Mugello, Misano, Val die Vienne, es gibt einfach noch so viele Plätze, die nur auf uns warten. 2-3 Tage Rennstrecke dann ggf. noch einige Tage Landstraße - perfekt!

Meinen besonderen Respekt möchte ich Uli aussprechen, der nach einem eigentlich harmlosen Ausrutscher (laß Deinem Reifen ein wenig mehr Zeit zum warmwerden. Ein "richtiger" Sportreifen oder ein Slick braucht halt seine 8-10Km d.h. 2-3 Runden, sieht zwar albern aus wenn man da rumeiert, aber hilft) zu allem Überfluß noch von einem anderen Mopped überfahren wurde - zum Glück ohne gravierende Folgen für ihn. Auch die anderen Fahrer und die Moppeds kamen rel. gut davon. Das er sich danach direkt wieder auf's Mopped setzte und dann auch noch kontinuierlich schneller wurde, hat mir allerdings sehr imponiert.

Einige allgemeine Dinge zu der Veranstaltung:
Es ist auffällig, daß die Rehm-Trainings im Vergleich zu anderen Veranstaltungen sehr safe sind. (z.B. Bei den Twins-Only oder auch mit Bosee in Ledenon): Wenig Unfälle, sehr wenige Personenschäden. An die lockere und lustige Athmosphäre von Bosee kommt eine Rehm-Veranstaltung jedoch nicht. Auch adressiert Rehm eher Hobbyracer als Ringneulinge, die sich da doch ein wenig verlassen vorkommen - was glücklicherweise der Stimmung unserer bunt gewürfelten Truppe Stimmung keinen Abbruch tat.

Was ist mir aufgefallen:
Bei mir persönlich stellt sich langsam ein wenig Routine ein. Ich merke wie ich immer präziser werde, die Runden werden immer gleichmäßiger und kontrollierter: Bremspunkte, Gangwechsel, Einlenkpunkte, Linien - ein gutes Gefühl. Tracklog vom 18.11.00

Was gibt's Neues in Sachen Technik:
Der neue HSA-RACE ist ne Wucht, rel. leicht, Schräglagenfreiheit ohne Ende - endlich waren nun auch richtig schnelle Linkskurven möglich, ohne daß man Gefahr lief, böse ausgehebelt zu werden - ne sehr gute subjektive Leistungsentfaltung und nen Klasse Sound (leider nicht legal). Fährt sich sogar von untenraus sehr angenehm, sicherheitshalber kam eine fettere Hauptdüse in den Vergaser.

Fahrwerk:
Vor meinem ersten Abstecher nach Ledenon im August hatte ich bei Wilbers Öl und Federn der Original-Showa-UPD-Gabel tauschen lassen. Dadurch war die Federrate, die Progression beim Anbremsen und das Ansprechverhalten sehr gut, allerdings war die Gabel in der Zugstufe durch das dünne Öl völlig unterdämpft. Am Tag vor der Abreise wurden deshalb noch die Shims für die Zugstufendämpfung getauscht - mit Erfolg. Danach funktionierte die Gabel schon ganz gut. Leider beeinflusst bei der Upside-Downgabel die Zugstufendämpfung auch die Druchstufeneinstellung, so daß ich jetzt die Druckstufe fast ganz aufdrehen muß - ist halt doch nur ne Seriengabel.

Das Wilbersfederbein ist ne absolute Wucht! Es funktioniert perfekt, spricht sensibel an und läßt auch nach vielen schnellen Runden nicht erkennbar nach. Ihr müßt euch mal die Reifenbilder von mir und Lucky ansehen: Ähnlich schnell, sein Reifen reißt überall ein und verschleißt, mein Reifen sieht dageben noch jungfräulich aus und besticht mit einem perfektem Tragbild.

Die Spieglerbremse macht auch immer mehr Spaß und bietet ein hervorragendes Feedback. Vielleicht gibt es noch besseres am Markt, mir reicht das jedoch völlig aus.

Vor der Fahrt nach Ledenon wurde auch noch das Getriebeöl gewechselt, inkl. Überprüfung und Nachjustage der Kupplung - alles in einer Fachwerkstatt. Auf dem Weg nach Hause fühlte sich die Kupplung schon ein wenig anders (seltsam) an, was ich jedoch wegen der wenigen Kilometern vom Händler in die Garage nicht weiter beachtet habe. Am Samstag dann in Ledenon jedoch riß beim rausbeschleunigen aus den Kurven urplötzlich der Grip an meinem Hinterrad ab. Ich hatte ein Gefühl ob jemand mir ins Hinterrad tritt, daß dann plötzlich auskeilt. Der erste Verdacht, der Zahnriemen wäre beschädigt und würde überspringen erwies sich als haltlos. Als wir jedoch das Kupplungsspiel am Kupplungsgeber neu justierten, arbeitete die Kupplung wieder wie gewohnt - schönen Gruß an meine Werkstatt :-(

Immerhin hatte ich mehr Glück als Peter, bei dem der Ausgleichsbehälter seines Showafederbeins nur mit der hinteren Schelle (die die auf der Ölleitung sitzt) festgemacht war. Als er nach einigen schnellen Runden zurück in die Box kam, raspelte der Ausgleichsbehälter lustig über den Asphalt... Glücklicherweise fand sich in der Schraubenkiste die entsprechende Schelle - Pfusch pur.

Ach so, jetzt wollt ihr bestimmt noch wissen wie schnell wir waren:

Lucky und ich hatten ähnlich schnelle, optimierte Buell's (Spieglerbremse, optimierte Gabeln, Witt-Racing bzw. Wilbers-Federbein, kleines Windshield). Nach unserem Twins-Only Meeting und der Rückfahrt von Oschiland durch den Harz hatte ich mich schon sehr auf den Fight mit ihm gefreut. Um es kurz zu machen: Die schnellste Buell-Rundenzeit des Trainings hat Lucky mit 1,46 min im 80 km Rennen erzielt. Im Zeittraining war er noch mit 1.49 ganze 3 Sekunden langsamer gewesen - da sieht man wie schnell ein Fight mit einer Ducati macht...

Meine beste Rundenzeit war im Zeittraining ne 1.47.
Im 80 km Rennen am Samstagabend waren wir (Lucky & ich) ganz aus der letzten Reihe gestartet, eigentlich nur mit der Prämisse einige schnelle Runden zu drehen. Irgendwie packte uns dann doch der Ehrgeiz und wir wunden uns so durch den Pulk. Während Lucky im Verkehr stecken blieb, konnte ich mich schön freifahren und bin dann als niemand mehr zu kriegen war nach wenigen Runden vorzeitig wieder in die Box gegangen, um die Reifen für den Sonntag zu schonen. Von der Box konnte wir dann Lucky bei seinem Fight mir dieser schön sehen, wie er im Rennen kontinuierlich seine Zeit verbessern konnte. Na ja ich stand dann halt in der Box und habe ihm fasziniert bei seinem Fight mit dieser fixen 2-Ventil Duc zugeschaut.

Schade, ich hätte mal draußen bleiben sollen, denn mit den Slicks brauchte ich am Sonntag erst gar nicht mehr anzutreten - als wir aufwachen regnet es, die Straße war naß, keine Chance, daß sie abtrocknet :-( Ideale Voraussetzungen für Lucky mit seiner Husaberg. Seine Show war erste Sahne und erinnerte mich stark an den Fahrer mit der KX500 der beim Bosee-Regenrennen ebenfalls (fast) alles bügelte. So ne Supermoto muß richtig fetzen.

So, das soll es zunächst gewesen sein - nochmal mein Appell für nächstes Frühjahr: Mitkommen, Spaß haben.

Bis dann
Lothar


Der Bericht eines Außenseiters

Der geneigte Leser wird sich fragen, was ein Aprilia-Fahrer im Buell-Forum zu suchen hat. Ich weise jede Schuld von mir - einzig mein Autorenkollege JOH ist schuld, welcher eines Tages mit Freudentränen in der Nase vor meiner Tür stand, um mir seine nagelneue Buell zu präsentieren - ich hatte mich mit dieser Marke wenig befaßt, doch schien mir das Bike ein echter Fortschritt gegenüber seiner V-Max zu sein, welche im Jahr zuvor unverständlicherweise das Interesse eines Langfingers weckte und seitdem nicht mehr gesehen ward. Die erste gemeinsame Ausfahrt zeigte, daß mein Vorsprung nach zehn Kilometern auf eine halbe Zigarettenlänge geschrumpft war - das ließ Hoffnung im Kollegen keimen, und prompt wurde die Teilnahme an der Rehm-Veranstaltung in Ledenon festgemacht. Zum erstenmal auf die Rennstrecke - das klang doch verlockend.

Die Rennstrecke von Ledenon gilt als knifflig - ehemals im Uhrzeigersinn gefahren, wurde das in einer scharfen Rechtswende endende Gefälle am Ende der Start/Ziel-Geraden einigen Fahrern zum Verhängnis, so daß man den Kurs heute links herum fährt, was bedeutet: fast jede Kurve macht zu. Ein echter Perscheid für BORGies

Die lange Gerade endet in einer dreifachen Links - die erbärmliche Endgeschwindigkeit der 250er erlaubt ein fast volles Fahren der ersten Passage, in Schräglage ein leichtes Bremsen, einen Gang zurück, zweiter Teil, das gleiche Spiel nochmal, dritte Links, eine kurze Gerade , welche in einen leichten Rechtsknick übergeht, den man Vollgas bewältigt. Dann hinunter in eine Senke, scharfes Anbremsen und in eine enge Rechtswende. Am Kurvenausgang kann man herrlich über den Curb brettern - ist zwar nicht notwendig, macht aber höllisch Spaß. Ein kurzes Stück den Berg rauf und kurz nach der Kuppe scharf anbremsen für die folgende enge Links. Am Ausgang geht´s geradeaus, so denkt man. Hat man die Kuppe passiert, merkt man, dass man sich mitten in einer Linkskurve befindet, deren Scheitelpunkt sich genau auf der Kuppe befindet - nach ein paar Runden hat man den Bogen raus und fährt diese Passage voll. Nach einer steilen Bergabpassage, in der das Vorderrad sehr leicht wird, wenn man sich nicht ordentlich duckt, geht es voll in die Eisen, um den anschließenden Rechtsknick zu bewältigen - bloß nicht zu spät bremsen, hinter der Senke tut sich ein steiler Bergaufhang auf, in dem man ungern zerschellen möchte. Nach einer kurzen Geraden die zweite Rechtswende mit einem Absatz, welcher dem Fahrer die Entscheidung erschwert, ganz innen oder weiter außen zu fahren, , bergauf und Vollgas durch die schnelle Links, dann Anbremsen zum Karussell, einer weiträumigen Linkswende. Die schwache Aprilia erfordert ein weiches Fahren - möglichst lange außen bleiben und am Ende nach innen ziehen, um der folgenden Rechts gewachsen zu sein. Nun folgt der schönste Teil der Strecke: Mit Highspeed geht's bergab durch eine schnelle links/rechts-Kombination, scharfes Anbremsen, heftiges reinwerfen in die Linkswende und erbarmungsloses Beschleunigen den Berg rauf und durch einen blinden Linksknick auf die Start/Ziel-Gerade, wo man gnadenlos von PS-stärkeren Bikes links, rechts, oben und unten überholt wird. Beim nächsten mal wird sich ein Satz Kettenblätter und Ritzel unterschiedlicher Zahnzahl im Reisegepäck befinden, nicht nur, um die Übersetzung den Streckengegebenheiten anzupassen (der 6. Gang blieb unbenutzt), sondern vor allem, um sich nicht zu langweilen, während die Buell-Piloten pausenlos an ihren Maschinen schrauben. Die Entscheidung, Slicks aufzuziehen, wurde diesmal noch vertagt - die Bridgestone BT 56 erlaubten auch so ein Schraddeln der doch recht hoch angebrachten Fußrasten der Aprilia auf dem Asphalt, doch hätten haftfähigere Gummis den einen oder anderen Slide beim Beschleunigen in Schräglage vermieden.

Das Novemberwetter war durchwachsen - zwar schien die ersten beiden Tage die Sonne, welche den Asphalt ein wenig erwärmte, doch pfiff ein beständiger starker Wind über das Hochplateau, auf welchem sich die Strecke befindet. Tag 3 war windstill, dafür regnete es. Nach 30minütigem freien Training standen die Rennen an. Ich nahm spontan am Lauf bis 600 ccm teil, für den ich nicht gemeldet war, was bedeutete: hinten anstellen. In den ersten Runden gelang es mir, mich mitunter am einen oder anderen Kurvenausgang neben meinen Vordermann zu setzen, doch dessen Hubraumvorteil machte auf den folgenden Geraden jeden Überholversuch zunichte. Als der Regen in Rennmitte zunahm, wurde die Strecke wieder recht glitschig, was vor allem in der Linkswende vor Start/Ziel für einige kontrollierte, wenn auch unfreiwillige Drifts sorgte, so dass ich im Interesse meiner Gesundheit beschloß, den Ehrgeiz zu besänftigen und mit den Reifen nach unten das Ziel zu passieren. Ungern erwähne ich, daß mich der Sieger des Rennens in seiner AUSLAUFRUNDE zum zweitenmal überrundete, die alte Sau.

Das Fazit meines ersten Renntrainings? Ich habe im freien Training das eine oder andere Big-Bike überholt (böse Zungen behaupten: auf deren warm-up-lap), und neben den erwähnten Änderungen der Übersetzung sowie dem Entfernen jeglicher Teile, welche zum Fahren nicht unbedingt notwendig sind, habe ich mir fest vorgenommen, beim nächsten mal die 1:50 zu unterbieten. Und vielleicht gelingt es mir ja, Luckie´s Husaberg zu distanzieren - nach JOH´s und Grabo´s Buell wäre dies das nächste Fernziel.

Abschließend möchte ich Olli nochmal danken für den Vorschlag, in Ledenon mitzufahren. Und Grabos HP ist wirklich genial (nicht zuletzt, weil auch er die Aprilia-Fahne hochhält - wenn auch "nur" für die Moto 6.5.)

- Martin
Wer seine Bücher noch nicht kennt, sollte wenigstens Martins Homepage kennen.


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