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Vom Treffpunkt Süd aus ging es - wie auch anders? - auf der B 101 nach Heinersdorf, dort aber schon links ab über Friederikenhof (ein einsames, scheinbar unbewohntes Gehöft in the middle of nowhere) und Birkholz (dort Schwenk nach rechts) nach Diedersdorf und Blankenfelde. In Blankenfelde bei der hübschen Dorfkirche mit dem Fachwerkturm bogen wir rechts ab. Die Straße ist hier gepflastert, aber in unserer Fahrtrichtung glücklicherweise mit einem Asphaltstreifen versehen. Am Ortseingang von Jühnsdorf kommt zum Straßenbelag erschwerend eine enge Linkskurve hinzu, also Vorsicht! Erst am Ortsausgang ändert sich das, ab da gibt es wieder Asphalt. Hier fuhren wir an Pferdekoppeln vorbei, danach erfreute uns die Straßenführung durch einige schöne Kurven. Beim nächsten Ort (Groß Schulzendorf) ging's links ab Richtung Zossen, aber hinter Nächst Neuendorf an der Kreuzung mit der B 246 nach rechts auf diese, jedoch sogleich von dieser wieder links weg (also praktisch geradeaus) dem Wegweiser nach Horstfelde folgend.
Also für alle, die nicht mitgefahren sind: Eine Scheunenmühle besteht aus einem Haus, in dessen Wänden große Schaufelräder sind, die durch den hindurchstreichenden Wind in Bewegung gebracht werden. Diese Schaufelräder sind bei Feierabend durch große Tore verschlossen, von außen sieht das dann wie eine Scheune aus. Außerdem gibt's südlich von Saalow eine Paltrockmühle, was eine Weiterentwicklung der Bockwindmühle ist. Erkennbar daran, dass das Haus bis fast auf den Boden reicht und der für Bockwindmühlen charakteristische Stert fehlt. An diesem musste der arme Müller seine Mühlenämlich immer in den Wind drehen, und da ihm das zu lästig wurde, hat man die Paltrockmühle erfunden, bei der diese Arbeit von einer Mechanik erledigt wird, die über das hintere Windrad angetrieben wird. Das ganze Haus ruht auf einer rundumlaufenden Schiene, auf der es sich dann dreht. Diese Mühle verfügt zusätzlich noch über Jalousieflügel, die je nach Winddruck geschlossen oder geöffnet werden können und dadurch die Drehzahl der Mühle bestimmen. (Kontakt für Mühlenbesichtigungen in Saalow: Verein für Landschaftspflege und Umweltschutz, Tel. 03377/399730) In Kummersdorf fuhren wir an den früheren Kasernen der sowjetischen Armee vorbei, die jetzt einen trostlosen Anblick bieten. Dabei führt die Straße in leichtem Rechts-Links-Versatz ziemlich tückisch über ein Bahngleis. (Hinterm Bahnübergang 300 m rechts im Wald stehen vergessen die ersten Raketen-Abschussrampen von Wernher von Braun - der Säzzer) Dann durch den Wald und der Hauptstraße folgend durch Schönefeld nach Stülpe. In Stülpe gab's den zweiten Halt, denn hier steht ein Herrenhaus, das besichtigt werden sollte. Dieses Schloss wurde von den Rochows, die hier seit dem 17. Jh. bis 1945 die Herren waren, 1744 gebaut. Der dahinter liegende, gut erhaltene Landschaftspark wurde im 19. Jh. angelegt. Zu DDR-Zeiten wurde das Haus als Altersheim genutzt, danach betrieb es die AWO eine zeitlang mit dem gleichen Zweck, seit kurzem gehört es der Stadt Luckenwalde und wird restauriert. Das Besondere an diesem Haus ist, dass die ganze gutsherrliche Anlage mit Remisen, Uhrenturm und Gesindehäusern noch erhalten ist. Wenn auch vieles dem Verfall preisgegeben scheint, so werden die Gesindehäuser noch bewohnt, und auch das Herrenhaus selbst soll offenbar weiterhin genutzt werden. Über die Art der geplanten Nutzung wissen die Nachbarn jedoch nichts. Das Gut nach rechts verlassend, fuhren wir in den Ort hinein, dort links, dann gleich wieder rechts Richtung Petkus, wobei wir an der 1562 erbauten Dorfkirche vorbeikamen. Jetzt ging es durch ein Waldgebiet, das bis zum Abzug der sowjetischen Truppen Sperrgebiet war. Rechts und links der Straße warnen Schilder vor dem Betreten des Waldes, denn es sind vermutlich noch Munitionsreste vorhanden, die jeden Schritt zum Risiko machen. In dem kleinen Ort Ließen lockte uns ein Hinweis auf einen Antiquitätenladen Ursprünglich sollte es von hier aus ja nach Luckau zur Landesgartenschau gehen, aber der Antiquitätenhändler hatte uns von Wiepersdorf und seinem Schloss erzählt, wodurch bei den meisten der Teilnehmer der Wunsch aufkam, dorthin zu fahren. Also ging es von Petkus aus über Wahlsdorf nach Heinsdorf, wobei wir am Ortsausgang von Petkus noch an einer großartig erhaltenen Paltrockmühle vorbei kamen, die nach Absprache zu besichtigen ist (Kontakt Tel. 03374550201). Von Heinsdorf führt ein erst vor kurzem asphaltierter Weg nach Hohenseefeld, dort ging es auf der B 102 nach rechts, in Nonnendorf aber gleich wieder links nach Wiepersdorf. In Wiepersdorf steuerten wir zunächst die "Alte Schmiede" an, stärkten uns dort mit Schnitzel, Rührei und Spargel und beobachteten die Wolken, die den bis dahin klaren Himmel zunehmend verdunkelten, an dem sich ein Kunstflieger tummelte, den wir leider nur hören, nicht aber sehen konnten. ![]() Bis zum Schloss Wiepersdorf sind es nur 200 Meter, die wir spielend zu Fuß bewältigten. Hier lebte der Dichter Ludwig Achim v. Arnim von 1814 bis 1831. Seine Frau Bettina v. Arnim, geb. v. Brentano hielt es in der ländlichen Abgeschiedenheit nur bis 1817 aus, dann zog sie mit ihren sieben Kindern nach Berlin. Dort eröffnete sie einen Salon (kein Friseurgeschäft, nein, ein Treffpunkt für die Prominenz), pflegt Kontakt zu solchen Größen wie Goethe, Wilhelm v. Humboldt, den Grimms, Rauch, Schadow und vielen anderen und schreibt sozialkritische Artikel und Bücher, die den König und seine Regierung angreifen (1). Nur ihr Adel und der Einsatz ihres Schwagers Savigny, der damals Justizminister war, retten sie vor einer Haftstrafe. Achim dagegen zieht sich ganz nach Wiepersdorf zurück, betreibt hier Landwirtschaft, schreibt aber auch an einem Roman. Er empfängt nur noch gute Freunde wie Clemens v. Brentano (Bettinas Bruder, mit dem zusammen er "Des Knaben Wunderhorn" verfasst hat) und die Brüder Grimm. Jetzt liegen beide auf dem Friedhof neben der kleinen Kirche auf dem Gelände des Schlosses - nicht nebeneinander, wie Ohff schreibt, sondern Bettine zu Füßen von Achim, daneben die Kinder. Im Park stehen neben einigen "normalen" Skulpturen auch fünf Calt-Figuren. Diese "Gartenzwerge" der Barockzeit stammen aus Italien, der Enkel von Bettina und Achim, der Maler Achim v. Arnim (1858 - 91), brachte sie aus Italien hierher. Sie gelten als die am nördlichsten stehenden Vertreter ihrer Art. In der Orangerie nahmen wir standesgemäß den Kaffee und lauschten dem Grollen des herannahenden Gewitters, das uns dann aber doch verschonte. Inzwischen war Konrad, mit dem wir dank Mobilofon in ständigem telefonischen Kontakt standen, eingetroffen und hatte Angelika mitgebracht, die ihrerseits wegen einer Krankheit ihrer Katze verhindert gewesen war.
Durch das schöne Dahme mit seinem herrlichen Backstein-Rathaus und über die B 102 kamen wir den doch noch nach Luckau. Dort sind jedoch weite Teile der historischen Innenstadt und auch Randbereiche wegen der Landesgartenschau abgesperrt. Wir hatten für eine Besichtigung ohnehin keine Zeit mehr, hofften aber, wenigstens im Vorbeifahren einige Blicke auf die Anlagen werfen zu können. Aber die Luckauer haben alles so raffiniert abgesperrt, dass man wirklich nur was sieht, wenn man Eintritt zahlt. Da wir das nicht vorhatten - es war ja auch schon ziemlich spät am Nachmittag - kurvten wir ein wenig der Umleitung folgend durch die Außenbezirke der Stadt und dann Richtung Lübben, aber gleich hinter Luckau nach Norden auf eine schmale und ruhige Straße, die uns über Kreblitz, Kasel-Golzig, Schönwalde und Krausnick nach Leibsch führte. Da waren wir schon im Unteren Spreewald. Jetzt ging es auf der B 179 direkt nach KW; etwas langweilig geradeaus durch den Fichtenwald, aber wunderschön, wenn die Sonnenstrahlen die Stämme goldrot färbten, und über Dahlewitz nach Berlin. (1) Heinz Ohff "Bettina von Arnim - das Genie als Hofnarr" in "Auch sie waren Preußen" Safari Verlag Berlin, 1979 Vom Gastautor Gernot G.
Im Detailheute nicht, denn Gernots Beschreibung ist an Genauigkeit kaum zu überbieten. Linktips
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