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F 60, Lichterfeld? Also gut, fangen wir noch mal anders an: die Jungs aus der Lausitz, die verstehen was vom Anbaggern. Allerdings geht's dabei nicht um Zwischenmenschliches, sondern um jede Menge Kohle. An die heranzukommen ist für jeden schwer, und deshalb hat man sich in der Lausitz dafür weltweit einmalig riesige Geräte angeschafft. Hier in Lichterfeld steht eine der größten Förderbrücken für Abraum, die überhaupt gebaut wurden. Wir konnten sie jüngst auf einem unserer Motorrad-Ausflüge besuchen und durften sogar darauf herumklettern, nach Absprache und von Fachleuten geführt, versteht sich. Wie auch schon bei früheren Touren zu technischen Denkmalen zeigte sich hier einmal mehr, wie hart Arbeit sein kann und welche Mühen, welchen Einfallsreichtum sie den Menschen abverlangte. Das Verb "abverlangen" steht nicht ohne Grund im Imperfekt, denn die Anlage lief ganze 13 Monate, berichtet uns Koalick. Er arbeitet bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), die 1994 von der Treuhand als Sanierer gegründet wurde. Der Bund ist also Eigentümer der LMBV.
Nun soll, wie in unserem Brandenburg-Teil berichtet, im Zuge der Internationalen Bauausstellung (IBA) ein Schaubergwerk bei Lichterfeld entstehen. Die Abraum-Förderbrücke ist dabei ein wesentlicher Teil, allein fünf Millionen Mark dürfte es kosten, das Gerät für diesen Zweck umzubauen. Denn wenn interessierte Laien in größeren Gruppen auf dem Stahlriesen herumturnen, dann muss die Sicherheit erhöht werden.
Der erste Schritt ist einfach, denn das Erdreich kann mit riesigen Baggern herausgeholt werden. Sie lassen eine Endlos-Kette von gezähnten Eimern an einer verstellbaren Trägerkonstruktion laufen. Jeder Eimer kann fast vier Kubikmeter Sand aufnehmen. Aber was macht der Bagger mit dem Sand? Er kann ihn nicht hinter sich werfen, denn dann wäre die freigeräumte Fläche ja nur winzig. Nein, er muss das Erdreich auf (insgesamt neun) Förderbänder schaufeln, damit es zur Haldenseite des Abbaugebiets transportiert wird - von eben jener Förderbrücke. Aber wieso heißt das Ding eigentlich "Brücke"? Ganz einfach, weil es unter sich eine Weite von 272 Meter frei hält (die "Stützweite"). Stellen wir uns ein großes "H" vor, so ungefähr sähe nämlich ein darüber fliegender Pilot das Gerät. Der Mittelstrich stellt die Brücke selbst und den von ihr überbrückten freien Raum darunter dar. Die senkrechten Striche bestehen aus Schienen, auf denen das Gerät bewegt werden kann. Jetzt verlängern wir den Strichteil des "H" rechts unten kräftig. Dort denken wir uns in etwa die Stelle, wo sich der Bagger gerade befindet. Er nimmt das Erdreich auf und wirft es auf Förderbänder. Sie sind mit der Brücke verbunden. So kommt der Sand erst aus der Grube und dann auf eine Höhe von zunächst etwa 20 Meter. Hat er den Bereich des Mittelstrichs, also die Brücke, erreicht, fällt er auf weitere Bänder, die nach links weg führen.
Nun hat der Bagger die Stelle, wo er sich befand, frei geräumt. Er wandert jetzt weg von der Brücke, aber die folgt ihm ganz einfach auf ihren Schienen vor und wieder zurück. Und die Förderbänder lassen sich auch noch ein wenig verlängern, so dass sich mit dem Hin und Her des Baggers das abgetragene Feld vergrößert. Zwar sind die Förderband-Anschlüsse schwenkbar, doch irgendwann ist der Bagger seitlich aus dem Bereich des Schienen-"H" der Förderbrücke hinaus gewandert. Dann muss sie dem Bagger hinterherstiefeln, seitwärts versetzen, sozusagen. Sie fährt auf ihren Schienen bis zum hinteren Ende. Dann werden die Geleise im vorderen Bereich maschinell leicht gehoben und seitwärts geschoben - sie sind dann gekrümmt. Aber das macht den Fahrwerken der Brücke nichts, sie rollt nach vorn, dann werden die Geleise hinten gerückt, bis wieder alles passt.
Nein, wir rechnen jetzt nicht, wie viel Energie in die Konstruktion geflossen ist. Eines ist klar, die Brücke hat ihr Geld noch nicht verdient. Dabei war, als sie lief, ein Gewinn von 15 Mark die Tonne Kohle übrig geblieben, sagt Koalick. Dennoch steht sie jetzt still, obschon ringsum durchaus noch Jahrzehnte gebaggert wird. Gerade weil sie so neu ist, wäre der Kauf für einen potentiellen Betreiber zu teuer. Zudem kostet ein Umsetzen dieser Großgeräte in ein anderes Revier immense Summen.
Er führt uns nach Finsterwalde, in Radigks Brauhaus - eine unbedingt sehenswerte Gaststätte, übrigens. Das Futter ist lecker und gar nicht teuer, das selbstgebraute Bier (hell und dunkel) ist ebenfalls äußerst genießbar. Das ist schon hart am oberen Anschlag unseres Motorrad-Restoführers: Mindestens vier Helme und zwei Fliegen gibt's dafür. Langsam wird es spät, und man merkt gerade in den Abendstunden, dass der Sommer seinem Ende zugeht. Die Dämmerung setzt deutlich früher ein als noch vor Wochen und die Gerüche, die aus den Wäldern und Wiesen aufsteigen, erinnern schwach an den Blätterfall im Herbst. Vorboten jener Tage also, an denen man die Ausflüge des nächsten Frühjahrs plant. Aber noch ist es ja gar nicht so weit. So steht's auf Linktips:
NachtragDer Tag war noch nicht um, und so besuchte noch ein Teil der Rausfahrer das Museum der DDR-Motorräder und eine beeindruckende JAWA-Sammlung in schönewalde. Eine feine Sammlung ist da zu besichtigen, sie zeigt praktisch lückenlos, was in der DDR mit zwei Rädern und einem Motor gebaut wurde. Der Bericht wird später nachgeliefert. |